Montag, 20. August 2012

TAG ACHT: 113,4km (gesamt 653km), von Sandvig nach Hundige



Es ist schwer, sich an einen Tag zu erinnnern, den man auf dem Rad verbracht hat. Einen Tag ohne große Unterbrechungen oder Umbrüche. Man hat nicht mehrere kleine Erinnerungen, sondern eher eine Art Tageserinnerung, die immer stark vom Jetzt beeinflusst ist: Wenn ich zum Beispiel bereits mehrere Kilometer an einer stark befahrenen Straße durch Industrie- und McDonalds-Gebiet fahre wie ich es vorhin tat, habe ich das Gefühl, das den ganzen Tag gemacht zu haben. Die vielen Felder, der extrem starke Gegenwind, das Meer, die Kühe und Ziegen, die Mähdrescher überall, der kleine Leuchtturm, die Kartoffeln, die an den Bauernhöfen auf Tiaschen zum Verkauf ausliegen — all das rückt in den Hintergrund. Und es fällt mir erst jetzt beim Resümieren wieder ein. Ich bin froh, Kopenhagen bereits so nah zu sein (20 Kilometer), denn so bleibt mir morgen hoffentlich genug Zeit, eine Untekunft für eine Nacht zu finden, in das Museum für moderne Kunst zu fahren, dass so toll sein soll, einen neuen Akku für das Solarladegerät zu kaufen (der richtige geht einfach nicht mehr …) und mit schliesslich mit dem Netbook in ein Café mit WLAN zu setzen. :) Das ist der Plan. Übermorgen will ich dann nach Schweden.
Gute Nacht und bis morgen!:) Tom

Sonntag, 19. August 2012

TAG SIEBEN: 120,5km (gesamt 539km), von Gedser nach Sandvig


Neben mir blubbert mein Reis, den ich gleich mit schmackhafter Jägersoße essen werde. Dazu gibt es Paprika. Dänemark ist immer noch klasse, allerdings konnte ich es heute nicht wirklich genießen, denn es war enorm heiß! Man kann meinen Weg bestimmt jetzt noch anhand einer Schweißspur nachvollziehen. ;) Ich habe heute mehrere Deutsche Paare getroffen, alle unterschiedlich, aber alle verblüfft und fasziniert von meinem Solarladegerät. (Eben stellte sich allerdings heraus, dass es sich den ganzen Tag — aus Gründen, die mir bisher unbekannt sind — nicht aufgeladen hat. Cool sah es allerdings trotzdem aus.;))
Eine Frau spendierte mir sogar eine kurze Überfahrt mit einer Fähre, weil sie so begeistert von meiner Reise war. Gleichzeitig berichtete mir ihr Mann von seiner vierwöchigen Reise mit dem Auto zum Nordkap und von der bitteren, gnadenlosen Kälte und dem heftigen Winden am dort.  Die Motorradfahrer und sogar er im Auto hätten gefroren, berichtete er. Vielleicht lässt mich ja die Bewegung warm werden. Er hat mich auf jeden Fall nicht für alle Zeiten demotiviert! Ein weiterer kleiner Rückschlag war, herauszufinden, dass ich einen kleinen Fehler in meinen Vorstellungen der Geographie Schwedens hatte: Auf meiner Kare war lediglich der südlichste Teil des Landes dargestellt; eine relativ eckige Ausbuchtung. Ich hielt die Breite dieses Teiles (also die Entfernung zwischen  Malmö Simrishamn) für die volle Breite Schwedens und freute mich über die vergleichsweise kurze Strecke, die ich zurücklegen hätte müssen, um das Land zu durchqueren. Am Handy, mit einer Weltkarte, fiel mir dann vorhin allerdings auf, dass das Land an der Stelle einen Knick macht und in Wirklichkeit mehr als doppelt so breit ist. (Mit der ‘Travelmap’ könnt ihr daa bestimmt besser  nachvollziehen.) Naja, auch das werde und muss ich irgendwie schaffen. Ich habe heute die 500-Kilometer-Marke überquert! :) Beim Fahren rechne ich viel, vor allem in Brüchen: Zum Beispiel sind die 539 Kilometer ziemlich genau ein Fünftel der Strecke, die ich zurücklegen muss. Sieben Tage sind allerdings nur ein Siebtel der Zeit. Es läuft also theoretisch gut! Mir gehen meistens schon nach zwanzig Minuten, wenn ich die ersten  fünf Kilometer geschafft habe, Gedanken wie “Wow — schon ein Zwanzigstel der Strecke, die ich schaffen will!” durch den Kopf.
Jetzt liege ich mittlerweile im Bett, draußen quaken Enten, denn ich bin direkt am Schilf und das ist ziemlich direkt im Meer. Und es gibt einen Steg. Und ich war vorhin baden.
Also, gute Nacht!!!:)
Tom

Samstag, 18. August 2012

TAG SECHS: 19,8km (gesamt 418), von Rostock nach Gedser


Dänemark ist für mich schon jetzt, und ich bin erst seit zweieinhalb Stunden hier, ein wunderbares Land! Der Ort Gedser, in dem die Fähre ankommt und in dem ich jetzt auch immer noch bin, hat gerade mal 800 Einwohner. Die Häuser haben höchstens zwei Stockwerke. Alles ist klein, beschaulich, ruhig und friedlich. Die Kirche, die ein wenig aus den niedrigen Häusern hervorragt, ist aus angenehm gelbem Backstein gebaut und das Meer beginnt direkt dort, wo der Ort endet. Ich bin auf einem Naturcampingplatz: die gibt es in Dänemark überall. Die Gemeinden oder Privatpersonen betreiben sie. Oft ist es einfach nur eine Wiese, auf der Camping — nur für Radfahrer und Wanderer — erlaubt ist. In meinem Fall ist es sogar eine Wiese mit Mülleimer und mit einer Dixi-artigen Toilette. Und dem Meer daneben. Obwohl ich heute eigentlich nur in Rostock um 17:30 Uhr in die Fähre eingestiegen bin und um 19:15 wieder ausstieg, bin ich trotzdem einige Kilometer gefahren. Das liegt daran, dass sich der Weg vom Jugendgästeschiff zum Überseehafen schwieriger gestaltete, als ich es erwartet hatte. Irgendwann befand ich mich mitten in einem Randgebiet der Stadt, das in mir die Vorurteile aufkommen ließ, die man auch über den Schlaatz in Potsdam hat … Aber natürlich ist nichts passiert und irgendwann habe ich auch herausgefunden. Nur hatte ich so die Fähre verpasst, die ich eigentlich nehmen wollte. Bis Kopenhagen sind es jetzt noch ungefähr 250 Kilometer. Wenn es also gut klappt, bin ich am Dienstag da. Eigentlich möchte ich aber mehr als drei Tage von Dänemark haben. Vielleicht lasse ich mir Zeit, mich mit dem Land, den Leuten, dem Essen und der fremden, lustigen Sprache, für die so tolle Wörter wie ‘Piskefløde’ charakteristisch sind, zu beschäftigen. Jetzt, wo ich im Ausland bin, habe ich ein zweites mal das Gefühl, dass die Reise beginnt.
Mir fällt auf, dass es mir viel mehr Spaß macht, einen Eintrag zu schreiben, wenn ich abends im Zelt liege, als wenn ich im hektischen Umfeld des Rostocker McDonalds sitze. Also entschuldigt bitte, falls die letzten beiden Einträge ein bisschen abgehakt und angespannt waren. Bis bald, liebe Grüße, Euer Tom!