Es regnet nicht. Endlich! Ein frischer, trockener Wind flattert durch mein Zelt, ich glaube, ich kann aus dem Bad des kleinen Campingplatzes, den Trockner hören, der meine beiden T-Shirts und die beiden Unterhosen trocknet und ich liege in meiner Badehose im Schlafsack.
Aber es war schlimm. Bis zu dem Moment gegen halb neun abends, in dem ich den kleinen Pub unweit des Campingplatzes betreten habe, hat es durchgängig geregnet. Zuerst hab ich an den Beinen gemerkt, dass die Regenhose das nicht mitmacht. Dann am Oberkörper. Kurz darauf waren auch die Schuhe durch. Es war schlimm. Vor allem, weil ich nichts machen konnte. In dieser Stein-Torf-Schlamm-Moor-Heide-Landschaft kann man sich nirgendwo unter einen schützenden Baum oder unter das Dach eines alten Hauses stellen. Es gibt einfach nichts. So ging ich also nassen Fußes durchs Wasser und versuchte, mit den immer stärkeren Schmerzen in meinen Oberschenkeln klarzukommen. Resigniert und mehr oder weniger unfähig, nicht breitbeinig zu laufen, kam ich dann endlich hier an: eine Straße aus dem einen Nichts ins andere. An der Kreuzung zum Wanderweg ein hell erleuchteter Pub. Viele Autos davor. Ein paar hundert Meter die Straße hinab ein weiterer Pub. Dahinter ein paar Wohnmobile. Und nun auch drei Zelte. Davon gehört eines einer Frau, die ich heute Mittag überholt habe, die nett ist, über die ich aber auch nicht viel herausfinden konnte. Es ist knallorange. Das zweite gehört einem Briten, der seit sechs Wochen auf dem End to End Trail unterwegs ist, dem ich ja auch — sogar nach dem gleichen Wanderführer — folge. Es Ist dunkelgrün und macht einen tollen Eindruck. (wiegt aber auch 2,2 Kilogramm.) Er sagte vorhin, heute bis jetzt sei der schlimmste Tag seiner Wanderung gewesen. Das hat mich irgendwie beruhigt. Es ist also nicht immer so.
Nach einem viel zu großen Abendessen in dem kleinen Pub im Nichts habe ich noch viel Zeit im Bad verbracht, Sachen gewaschen, getrocknet, geduscht, telefoniert, mal wieder Zähne geputzt. Die Weisheit für heute: irgendwann hört der Regen auf. Und dann hat man sich's verdient. :)
Gute Nacht! Es ist 00:17. Ich muss doch schon bald wieder raus. Für morgen ist Regen angesagt. Den will ich nicht verpassen.
Euer Tom :)
Mittwoch, 29. Mai 2013
Dienstag, 28. Mai 2013
TAG ZWEI: Vom Edale Youth Hostel zum Torside Reservoir (ca. 17 Meilen)
Was für ein langer Tag. Das kann alles in 14 Stunden passieren? Wahnsinn wie viel man erlebt, wenn man sich nicht entscheiden muss zwischen verschiedenen Dingen, die man erleben kann. Geht es euch im Urlaub oder zu Hause, wenn ihr so viel tun könntet, nicht auch manchmal so, dass der Tag auf einmal um ist und man vielleicht eines Dieser Dinge gemacht hat? Wenn man wandert und es nur den einen Weg gibt, vergeht die Zeit anders. Es passt mehr hinein. Mehr großartige Anblicke spektakulärer Landschaften, mehr Regentropfen, mehr andere Wanderer, Mountainbiker, Jogger (auf dem Berg!) und auch mehr extrem sportlich gekleidete Menschen, die Hundeleinen um den Bauch haben und sich von ihren Tieren ziehen lassen. Mehr Brotscheiben, die man isst, mehr Verzweiflung, da man keinen guten Platz zum Zelten findet, mehr schöne länge Handygespräche, mehr tolle Begegnungen (ich im Zug, musste zurück Manchester, da der Geldautomat in Edale, wo der Pennine Way losgeht, nicht ging. Habe nur 10£. Frage den Schaffner, was ich machen soll. Warten. Er verkauft mir einen Fahrschein. Ich gebe ihm die geforderten 10,40£. Das habe ich gerade noch so. Wechselgeld: zweimal 5£. :) die beiden Schaffner singen, sprechen über Deutschland, planen mit mir das holen des Geldes am Bahnhof in Manchester und das bekommen des nächsten Zuges zurück nach Edale. Sie sind lustig, froh, tragen lilafarbene Hemden.), mehr Schmerzen in den Oberschenkeln, mehr Befürchtungen, dass entweder die Hochspannnungsleitung über mir reißt oder meine fünf (deutlich zu wenig!) Heringe das Zelt nicht gut halten, mehr Schafe und — vor allem — mehr TORF.
Damit gute Nacht aus dem Peak-District.
Euer Tom,
Im winzigen Einmannzelt. :)
Damit gute Nacht aus dem Peak-District.
Euer Tom,
Im winzigen Einmannzelt. :)
Sonntag, 26. Mai 2013
TAG EINS: Von Edale zum YHA Edale (1,5 Meilen)
Ein Tal voller Geräusche und kleiner Lämmer. Überall singen Vögel, blöken Schafe und Kühe und im Ort und in dessen Nähe hört man die vielen Menschen, die zusammen zu einer Ausbuchung beider Campingplätze — mit Platz für insgesamt 170 Zelte! — geführt haben.
Und so viel in diesem tollen Tal, in dem Der Ort Edale, wo meine Reise beginnen soll, und die Jugendherberge, in der ich heute Nacht schlafe, liegen, auch los ist: es gibt kein Handynetz. Das ist zwar — gerade am ersten Tag, an dem man doch am liebsten alle zu Hause anrufen möchte — hart, aber irgendwie auch entspannend.
Ich sitze jetzt in meinem Bett mit knallgrüner Bettdecke in der Jugendherberge, um mich herum lesende und schnarchende junge Engländer, von denen einige morgen Mountainbike fahren wollen. Am Kinder Scout. Das ist auch für mich der erste Berg morgen.
Und ich sehe mich gleich vor ein Problem gestellt (wobei es im Moment eher die Befürchtung, ein Problem könne entstehen, ist): ich muss morgen früh in dem winzigen Dorf, das zwar viele Camper aber sonst annähernd nichts hat, für mehrere Tage einkaufen. Denn der nächste Ort mit Kaufhallen kommt erst in 40 Meilen. Und ich habe immer noch keine Kartusche.
Immernoch besser vorbereitet als mit dem Sommerschlafsack zum Nordkap.
Ich versuche morgen, früh aufzustehen, schnell etwas zu frühstücken, um dann so schnell wie möglich wieder den tollen Weg zwischen Lämmern, Bäumen und fantastischen Aussichten zurück nach Edale nehmen zu können.
Gute Nacht, hiermit schließe ich mich den Schnarchern an.
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